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| | Händel Jephta Jephtha RIAS Kammerchor Akademie für Alte Musik Creed€ 39.99- 2 Bewertungen: 3.0

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Händel - Jephta (Jephtha) / RIAS - Kammerchor, Akademie für Alte Musik, Creed
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| | | | ABSOLUT UNERTRÄGLICH: Jephtha als einlullendes Schlafliedchen. DAS bereitet wahren Schmerz! Zugegeben, dieser Kommentar ist höchst subjektiv und emotional. Aber einen solchen Schock verkraftet man nicht so einfach.
Nichts gegen die Argumente meines Vor-Rezensenten. In fast allen Punkten mag ich ihm zustimmen. Leider aber auch in einem, dem entscheiden: 'wenngleich [...] noch etwas dramatischer hätte sein dürfen.'
Die Spezifik "Alter Musik" kann keine Entschuldigung dafür sein, daß offenbar keiner der für diese Einspielung Verantwortlichen je auch nur einen einzigen Gedanken an den INHALT dieses Oratoriums verschwendet zu haben scheint.
Natürlich kann man kaum erwarten, daß ein Interpret erst einmal sein eigenes, einziges Kind opfern (sprich: töten lassen) muß, um Jephthas innere Verfassung in der Schlüsselszene nachempfinden zu können. Es wäre wohl auch etwas zu viel verlangt, Jephtha nur von solchen Interpreten vortragen zu lassen, deren Kinder zumindest an einem Unfall oder infolge einer Krankheit gestorben sind. (Ich weiß: drastische Worte meinerseits.) ABER sind sich denn die Kommerzartisten von heute überhaupt nicht mehr der TATSACHE bewußt, daß es unter all den unzähligen Kunstkonsumenten SEIT Entstehung dieses Oratoriums (geschweige denn seines Inhaltes) doch vielleicht mehr als nur ein, zwei (kommenziell irrelevante) MENSCHEN, VÄTER oder ebenso Mütter gab, für die der Horror dieses Geschehens nakte, UNUMKEHRBARE Realität ist?!
Etwas bedauern, über etwas verärgert sein, sich grämen... ja, ja, alles ganz nett. Aber hier geht es um die unmittelbare Schuld des Vaters am irreversiblen Tod der eigenen Tochter!! Der Text spricht (im Englischen ebenso wie im Deutschen) von H_A_S_S !!
'Birg dein VERHASSTES Licht, oh Sonn' in Nacht und Wolken!'
'Hide thou thy HATED beams, o sun, in clouds and darkness!'
Wer dem EIGENEN Tod begegnet, durchlebt bekanntermaßen fünf Phasen:
1. Verleugnung,
2. Auflehnung und Aggression,
3. Verhandeln,
4. Depression,
5. Akzeptanz.
Freilich darf man das nicht 1:1 auf die Empfindungen in Zusamenhang mit dem (selbst verschuldeten) Tod des eigenen Kindes übertragen. Doch genau um diesen Themenkreis geht es ja gerade in 'Jephtha'! Da kann es doch nicht sein, daß die MACHER dieser Aufnahme jene ganze Tiefe ignorieren und sich auf eine anständige 'DDD'-Qualität mit feschem Cover konzentrieren!
Ich werde mich hüten, hier eine Hypothese über die Phasen der psychischen Verarbeitung von nicht in Worten allein zu fassenden Inhalten aufzustellen. Das hat Händel ja schließlich schon selbst getan.
Wer aber ein nettes Schlafliedchen für sein trauriges Töchterlein sucht, dem man vielleicht gerade den geliebten Teddybär geklaut hat, der sollte doch einfach mal Amazons 'Reinhören'-Funktion nutzen und sich nur den Anfang der 3. Disk 'reinziehen':
3. Akt, 1. Szene: 1) Arioso und 2) Accompagnato
Das genügt schon, um vor Wut sein Notebook durch's geschlossene Fenster zu entsorgen.
Sorry!
| | Gelungene Händel-Interpretation Händels letztes Oratorium „Jephtha" ist sicherlich eines seiner schönsten Werke überhaupt. Er stellt gewissermaßen den Höhepunkt jener Form des Oratoriums dar, die von Händel erfunden worden war. Darum überrascht es nicht, dass immer wieder einmal Neueinspielungen auf den Markt kommen - ein Schicksal, das nicht viele Händel-Oratorien teilen (vom „Messiah" natürlich abgesehen). Die attraktivste Aufnahme der letzen Jahre ist die 1994 entstandene 3-CD-Box unter der Leitung von Marcus Creed, die jetzt bei dem „Billiganbieter" Brilliant Classics erschienen ist. Dieser „Jephtha" bietet alles, was eine gute Einspielung haben muss und ist eine echte Alternative zu der Gardiner-Version, besonders was die Klangtechnik angeht. Marcus Creed entwickelt eine elegante, genaue, spielfreudige und klanglich ausgezeichnete Deutung dieses Oratoriums, wobei ihm mit dem RIAS Kammerchor und der Akademie für Alte Musik zwei exzellente Klangkörper zur Verfügung standen. Hier erlebt man, dass Alte Musik nicht so antiseptisch und aalglatt sein muss, wie man immer wieder erleben muss. Vielmehr entwickeln Chor und Orchester das durchaus dramatische Geschehen dieses Werkes, spüren seine Ecken und Kanten auf, haben Sinn für Händelsche Klangkraft (zum Beispiel in dem mitreissend gestalteten Chor „When his loud voice in thunder spoke"), aber auch für die tiefe Niedergeschlagenheit des „How dark, o Lord, are thy decrees", über dessen Komposition Händel vorübergehend erblindete. Aber auch die Solisten tragen beträchtlich zum guten Klang dieser Aufnahme bei. So überzeugt John Mark Ainsleys Jephtha nicht nur aufgrund der stimmigen Charakterisierung, sondern auch gerade wegen seiner exzellenten Stimmbeherrschung und seinem silberig klaren Timbre. Sehr schön auch Michael Georges Zebul, der sich durch eine gelungene Kombination von Kraft und Eleganz auszeichnet. Wunderbar auch Christiane Oelze (Sopran) und Countertenor Axel Köhler, die besonders in dem arkadisch schönen Duett „These labours past" glänzen. Was wundert es einen da, dass sich nun auch noch Catherine Denleys Storge harmonisch einpasst, wenngleich ihre Paradearie „Scenes of horror" noch etwas dramatischer hätte sein dürfen. Insgesamt handlet es sich bei diesem „Jephtha" um einen echten Glücksfall für die Händel-Diskografie.
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